Existential-psychologische Bildungs- und Begegnungsstätte Todtmoos-Rütte, Schule für initiatische Therapie, Dürckheim Rütte    
       Existential-psychologische Bildungs- und
      Begegnungsstätte Todtmoos-Rütte

 
       Schule für Initiatische Therapie
      
       Dürckheim-Zentrum
 

Anmeldung


Graf-Dürckheim-Weg 12, D-79682 Todtmoos - Rütte, Tel: +49 7674 - 350, Fax: - 8120,


Die Begründer der Initiatischen Therapie

Die tiefenpsychologisch fundierte Initiatische Therapie wurde 1951 von Prof. Dr. Karlfried Graf Dürckheim und Dr. Maria Hippius-Gräfin Dürckheim begründet.


 
Prof. Dr. Karlfried  Graf Dürckheim in Rütte Initiatische TherapieKarlfried Graf Dürckheim
Karlfried Graf Dürckheim (1896-1988) hatte in München und Kiel Psychologie und Philosophie studiert, in Kiel promoviert (1923 "Erlebnisformen – Ansätze zu einer analytischen Situationspsychologie") und in Leipzig habilitiert (1929/30 "Erlebniswirklichkeit und ihr Verständnis").

Ganzheitspsychologie und Einheitsphilosophie
In seinem Studium und in seiner Lehrtätigkeit widmete sich Dürckheim vor allem der "Denkpsychologie" und den qualitativen "Erlebnisformen" des Psychischen und fand sowohl in Kiel als auch in Leipzig in Prof. Dr. Felix Krueger, Nachfolger Wilhelm Wundts, Unterstützung und Anerkennung für seinen Ansatz. Dürckheims Konzept der "Einheitsphilosophie" ließ sich fruchtbar mit Kruegers Ganzheitspsychologie vereinbaren, und so traf Dürckheim in der "Leipziger Psychologenschule" unter Krueger, der als erster im Zusammenhang der
Entdeckung des "Erlebens" und des "Erlebnisses" das Gefühl bzw. das Fühlen in seiner Bedeutung für eine anthropologisch vertiefte Psychologie erkannte, erforschte und belegte, auf ein Umfeld, das seinen eigenen Grundanschauungen entgegenkam und sein eigenes Forschen bis hin zur Ausformung seiner eigenen, der Initiatischen Therapie, sehr förderte.

Seminar- und Lehrtätigkeit
Ab 1926 hielt Dürckheim u. a. verschiedene Seminare zur experimentellen Psychologie des Denkens, zur Psychologie der Gefühle, einen Einführungskurs in die experimentelle Psychologie, Übungen zur Psychologie des kindlichen Denkens, zur Sozialpsychologie sowie Charakterologien der Gegenwart. Wesentlicher Teil seiner Arbeit am Psychologischen Institut bildete die Leitung einer Reihe von Untersuchungen, die sich in sozialpsychologischer Richtung bewegten. In dieser Zeit bereitet er auch seine Habilitationsarbeit vor. Am 17. 2. 1930 erhielt er die Venia legendi, die Erlaubnis an Hochschulen zu lehren, für Philosophie und Psychologie.
Dürckheim lag vor allem an praktisch-pädagogischer Arbeit, nicht an einer wissenschaftlichen Karriere, und so gab er zunächst Kurse an der Fichte-Volkshochschule Leipzig sowie Vorlesungen am Bauhaus in Dessau. 1931 wurde er Professor an der Pädagogischen Akademie Breslau und 1932, nach deren Schließung, an der Hochschule für Lehrerbildung in Kiel.
Durch die Rassengesetze 1933 verlor er die Erlaubnis im Staatsdienst zu lehren. Es folgten verschiedene Aufträge im diplomatischen Dienst.


10 Jahre Japan
1938 ging Graf Dürckheim (mit Unterbrechungen) für knapp 10 Jahre nach Japan und begegnete dort dem Zen- Buddhismus und seinen Übungswegen. Parallel dazu vertiefte er sich in der christlichen Mystik Meister Eckharts. Zurückgekehrt nach Deutschland entwickelte sich eine ausgedehnte Vortrags- und Seminartätigkeit in In- und Ausland.

Brückenschlag zwischen westlicher und östlicher Anthropologie und Psychologie
Dürckheim gilt als einer der ersten, die nach dem 2. Weltkrieg "Zen" aus Japan nach Deutschland gebracht haben und als wichtiger Vertreter der Zen-Meditation. Er leistete mit seinem Werk einen entscheidenden Beitrag zum Brückenschlag zwischen westlicher und östlicher Anthropologie und Psychologie.


   Dr. Maria Hippius Gräfin Dürckheim in Rütte Initiatische TherapieMaria Hippius
Maria Hippius (1909-2003) hatte zunächst in Freiburg und Berlin, später in Leipzig Psychologie, Philosophie und Soziologie studiert und auch Vorlesungen in psychiatrischer Medizin besucht. Insbesondere machte sie sich mit der Ausdruckslehre und Charakterkunde des Philosophen Ludwig Klages vertraut, sowie mit dem Werk des Biologen Hans Driesch.

Graphischer Ausdruck von Gefühlen
Ihre Dissertation (1932 ) beschäftigte sich mit dem "Graphischen Ausdruck von Gefühlen" (Hippius, M.1936: Graphischer Ausdruck von Gefühlen. Zeitschrift für angewandte Psychologie und Charakterkunde).

Tiefenpsychologische Studien
Maria Hippius war mit Carl Gustav Jung persönlich bekannt und absolvierte eine Lehranalyse bei dessen Schüler Gustav Richard Heyer.
Es folgten Studien bei Erich Neumann und Jean Gebser.

Psychotherapeutische Tätigkeit
In der 1951 von ihr und Karlfried Graf Dürckheim begründeten Existential-psychologischen Bildungs- und Begegnungsstätte Todtmoos-Rütte, Schule für Initiatische Therapie, war Maria Hippius neben ihrer eigenen psychotherapeutischen Tätigkeit für die Ausbildung der im Laufe der Jahre über 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (von denen die meisten heute weltweit in der Initiatischen Therapie tätig sind) sowie für die Supervision der in Rütte ansässigen Mitarbeiter verantwortlich.

(Photos von Graf und Gräfin Dürckheim :
Louise Oldenbourg Dipl. Grafikerin FH, München)




ehemaliges Doktorhaus Rütte Dürckheim Initiatische Therapie"Doktorhaus" - ehemaliger Wohnort und Keimzelle der Arbeit wurde 2003 nach dem Tod von Gräfin Dürckheim in private Hände verkauft.



Gründung der Existential-psychologischen Bildungs- und Begegnungsstätte Todtmoos-Rütte, Schule für Initiatische Therapie

1951 gründeten Dürckheim und Hippius die Existential-psychologische Bildungs- und
Begegnungsstätte Todtmoos-Rütte, Schule für Initiatische Therapie, im Hochschwarzwald, die derzeit etwa 20 ortsansässige Mitarbeiter hat.
In der von ihm und Maria Hippius entwickelten Initiatischen Therapie vereinen Dürckheim und Hippius Erkenntnisse der Einheits- und Ganzheitspsychologie mit tiefenpsychologischen Konzepten, christlicher Mystik und den Übungswegen des Zen zu einer eigenen Form der Psychotherapie, in welcher der Sinn und Heilung suchende Mensch in seinem existentiellen Ringen und Fragen ernstgenommen und auf seinem Weg der Individuation begleitet wird.
Seine der Initiatischen Therapie zugrundeliegende Philosophie stellte Dürckheim in Vorträgen sowie in zahlreichen Büchern umfassend dar.

Graf Dürckheims Leben
im Zeichen der Wandlung "am Faden von Zeit und Ewigkeit"


Karlfried Graf Dürckheim war, wie dies grundsätzlich jeder Mensch ist, in seine Zeit und seine Herkunft gestellt. Bei ihm hatten die Zeit und die Herkunft allerdings eine besonders starke Prägung, die sich insbesondere in der ersten Hälfte seines Lebensweges niederschlug.
Ende des 19. Jahrhunderts wurde er als Angehöriger einer Adelsfamilie geboren. Die Ahnherren seines Adelsgeschlechtes lassen sich bis ins 12. Jahrhundert, d.h. bis in die Zeit Kaiser Barbarossas nachweisen. Mütterlicherseits geht seine Herkunft ins jüdische Geschlecht der Rothschilds, das bis ins 15.Jahrhundert dokumentiert ist. Der Militärdienst im 1.Weltkrieg war keine Frage, ebenso der Lehrauftrag mit 34 Jahren und die Professor für Philosophie und Psychologie im Staatsdienst.
1933 wurde ihm durch das antisemitische Rassengesetz zum "Schutz des deutschen Beamtentums" die Weiterführung einer Professur verwehrt, da er durch seine jüdische Herkunft seitens der Mutter als "versippt" galt.
Dies führte ihn mit 38 Jahren über die Mitarbeit im "Büro Ribbentrop" zu diplomatischen Dienstreisen, die er innerhalb des gesellschaftlichen und politischen Systems ausführen konnte.
Solange Graf Dürckheim noch in den kollektiven Strukturen seiner Zeit und seiner Herkunft eingebunden war, waren ihm diese Tätigkeiten, waren ihm der Dienst am Vaterland und das vaterländische Bestreben grundsätzlich ein seinem Stand gemäßes Anliegen.
Als sich die politische Lage in Deutschland mit ihrer nationalsozialistischen Gesetzgebung und der von dort ausgehenden Gefahr weiter zuspitzte und er nicht mehr tragbar und zudem nicht ungefährdet war, wollte er dennoch nicht einfach "wie ein ausgedienter Dienstbote" entlassen werden, da er nach wie vor im System und im vaterländischen Auftrag verankert war. So schickte ihn Außenminister Ribbentrop mit einem Forschungsauftrag "möglichst weit weg" nach Japan.

Mit dem Zusammenbruch des Dritten Reiches kam er in Japan in Haft, aus der er nach 16 Monaten freigesprochen wurde. In dieser Zeit durchschritt er eine tiefe Depression, die er dann später rückblickend als fruchtbare Zeit der Vorbereitung für seine "zweite Lebenshälfte" und für seinen ganz eigenen "Lehrauftrag" beschreibt.
In den Jahren in Japan vollzog sich jener tiefe Wandel in Graf Dürckheim, der ihn ganz grundsätzlich aus der im Kollektiv begründeten Einheitsidee und somit aus der vaterländischen Verwobenheit herauslöste. Fortan bezog er sich direkt auf den in der einzelnen Person angelegten Grund der Wesens-Einheit, der schon von Kindesbeinen an in ihm angelegt war.
Seit seiner frühen Kindheit trug er das tiefe Erlebnis einer transzendenten Wirklichkeit in sich. Eine aller weltlichen Dualität zugrundeliegende Einheitswirklichkeit prägte so von Anfang an sein Leben und war als "Inbild" in ihm angelegt.
Dieses Inbild ließ sein ganzes Leben um die hinter allem spürbare Transzendenz kreisen.
Seit 1919 war er mit engen Freunden experimentell unterwegs, sich mit Meditation, geistiger Schulung und Bewusstseinsarbeit in der Tiefe zu verankern und in ersten Ansätzen eine "Abkehr von althergebrachten Bindungen und Gewissensbildungen" (Maria Hippius-Gräfin Dürckheim) zu vollziehen und an dem im damaligen Zeitgeist virulenten
"neuen Menschen" zu arbeiten. In den 20iger Jahren fanden sich viele tiefe Begegnungen, Auseinandersetzungen und Zusammenarbeit im künstlerischen und philosophischen Aufbruch um das Bauhaus. Die Frage nach dem persönlichen Erlebnisaspekt auch im Rahmen wissenschaftlicher Untersuchungen sowie der "geheimnisvolle Bezugspunkt" hinter allem standen für ihn im Mittelpunkt seiner Forschung, die sich schon früh mit der Entwicklung eines eigenen Konzepts einer Einheitsphilosophie formulierte.
Die Unterscheidung kollektiver, völkischer, vaterländischer und der im einzelnen Menschen individuierter Einheit war für ihn
in der ersten Lebenshälfte allerdings noch nicht klar zu unterscheiden. Er hatte in seiner Wirklichkeit der Einheit noch keine Polarität von Licht und Dunkel entwickelt, wie er später selbst erkennen musste.
Die Verwirklichung der in der Person begründeten Einheit galt es in Dürckheims Leben, das sich zwischen weltlich standesmäßiger Verpflichtung und transzendentem Bezugspunkt "am Faden von Zeit und Ewigkeit" (Maria Hippius-Gräfin Dürckheim) entspann, noch auszureifen.
Trotz tief verwurzelter und weiterhin bestehender Vaterlandsliebe galt es die Einheitswirklichkeit nicht auf dem Boden völkischer Abstammung und in ungebrochenen Blutsbanden zu gründen, sondern, es galt sie gerade im Bruch mit jenen im eigenen Wesens-Grund des Einzelnen zu verankern.
Dürckheims Auseinandersetzung mit seinem Zeitgeist und seiner Herkunft wurde eine ganz spezielle. Er entwickelte in Zusammenarbeit mit Maria Hippius, die nach der Rückkehr aus Japan seine Lebens- und Arbeitsgefährtin und später auch Ehefrau wurde, ein umfassendes Menschenbild, das vielen Menschen in unterschiedlichster Fragestellung bezüglich ihrer Zeit, ihrer Herkunft und ihrem Werdegang Weggeleit ermöglicht. Er brachte es in die Formel: Wie kommt der Karlfried durch den Dürckheim?
In der Person-Werdung, in der Doppelbürgerschaft von Wesen und Welt-Ich im Einzelnen, wobei das Welt-Ich die Abstammung durch Familie und Nation sowie auch kollektive Strömungen mit in sich trägt, lag Dürckheims ganz eigener "Lehrauftrag", sein persönlicher und menschheitlicher Auftrag und sein eigentliches gesellschaftliches und politisches Engagement.
Jeder Mensch ist geprägt von den kollektiven Strömungen seines Zeitgeistes und seiner Herkunft und muss sich mit diesen auseinandersetzten, muss diese bis auf den eigenen Grund in sich verwandeln, wenn er er selbst werden möchte. Dürckheim hat in dieser Auseinandersetzung an das Gewissen des Einzelnen appelliert, an dessen "absolutes Gewissen" aus dem eigens errungenen Tiefen-Grund.
Nachdem er sich selbst schon nach dem 1.Weltkrieg aufgrund dieses absoluten Gewissens aus der seiner Adelsherkunft zugehörigen Offizierslaufbahn verabschiedet und sich ebenso aus der familiären Erbfolge freigesprochen hatte, konnte er über viele weitere Zwischenschritte, insbesondere mit seinen tiefen Erfahrungen in Japan in der Kunst des Bogenschießens und in der Übung der Zen-Meditation sowie in der vertieften Auseinandersetzung mit der christlichen Mystik Meister Eckharts, den Weg zu seiner eigentlichen Aufgabe hin, zur Person, in der das Wesen im Welt-Ich zum Tragen, also der Karlfried durch den Dürckheim kommt, verwirklichen.
Den einzelnen Menschen in seinem Prozess aus der natürlich kollektiv gegebenen Verwobenheit heraus zur im Wesen begründeten Selbst-Werdung als Person zu begleiten wurde Dürckheims gelebter Auftrag als er mit 50 Jahren in das in den tragenden Strukturen zerstörte Deutschland zurückkam.

Aus seiner familiär standesmäßigen Herkunft, aus seiner Verwobenheit und aus seinem Umgang mit ihr und aus seiner daraus begründeten Vaterlandsliebe und somit aus seiner eigenen Geschichte hat Graf Dürckheim nie einen Hehl gemacht.
Mit jedem, der daran interessiert war, hat er darüber gesprochen und auch so manche "Irrtümer" seiner frühen noch ganz in den kollektiven Strömungen verankerten Ansichten eingeräumt. Er selbst sagt von sich bezüglich der Zeit des Dritten Reiches: Ich war kein Nazi, ich war aber auch kein Anti-Nazi.
In seiner von Gerhard Wehr veröffentlichen Biographie sind die wesentlichen Grundzüge seiner Geschichte ausführlich und kritisch benannt, von dorther sind sie der Öffentlichkeit 1988 noch im letzten Lebensjahr Dürckheims und mit dessen Zustimmung, zugänglich geworden.
Graf Dürckheim lagen mit Ausreifung seiner Person, also mit seiner im Wesen begründeten Wirklichkeit, kollektive Bewegungen und grundsätzlich jedwede Ideologie fern.
Im Gegenteil, sich von kollektiven Meinungen, von ideologischen Strömungen bis in die Wurzel hinein frei zu machen und der Stimme aus der Tiefe, dem Ruf des Wesens zu folgen, war ihm das Wesentliche seines eigenen Lebensweges und seines Werkes geworden.
Dies wurde zum Kern des Menschenbildes, und es ist das Hauptanliegen der von Graf und Gräfin Dürckheim begründeten Initiatischen Therapie. Aus initiatischer Sicht gilt dies bleibend für jede "Person" gegenüber allen, auch den heutigen kollektiven Bewegungen, es gilt für die Auseinandersetzung auch mit dem heutigen Zeitgeist, sei dieser noch so kritisch, sei dieser pro oder contra zu einer Sache.