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Dürckheim Rütte

Dürckheim Rütte
Existential-psychologische Bildungs- und Begegnungsstätte Todtmoos-Rütte
Schule für Initiatische Therapie
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Kasuistik zum Geführten Zeichnen wie zur Traumarbeit.




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Eine erste Begegnung mit Traumarbeit und Geführtem Zeichnen in Rütte

Ich möchte im Folgenden einen Einblick geben, was in einer Rüttewoche mit den Medien Traumarbeit und Geführtem Zeichnen im Zeitraum von drei Einzelstunden und einer Gruppenarbeit vor sich gehen kann. Die Leibarbeit lief parallel mit vier Stunden täglich.

Traumarbeit
Mein Gast Iris, 57 Jahre alt, träumte in der ersten Nacht in Rütte:
Traum 1: An meiner linken Hand wachsen die abgeschnittenen Finger nach.
Iris ist vom Traum sehr berührt:“Dieser Traum spricht für sich! Er illustriert das Thema, mit dem ich gekommen bin wunderbar. Er drückt für mich aus, dass etwas Neues möglich wird. Das erhoffe ich mir! Ich habe die Sehnsucht mit mir selbst und mit dem Anderen, mit dem Leben, auf eine mir bisher nicht mögliche Weise in Berührung zu kommen.“

Iris Traumbild 1 Dürckheim Rütte
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Im Bild, das Iris auf meine Aufforderung hin zum Traum malt ist die linke Hand eingewoben in ein Grün, das lebendig webt, atmet und schwingt. In die Hand ist ein rotes Zentrum gemalt.
Es ist die linke Hand, die abgeschnitten und verletzt ist. Und bei ihr wächst etwas nach. Was ist es, das abgeschnitten wurde und nun wundersamerweise nachwachsen kann, also die Fähigkeit zur Heilung besitzt?
Die linke Hand steht für den Bereich des Unbewussten, des Weiblichen, des Anderen, des Fremden, des Unbekannten, ergänzend zum Bewusstsein. Wenn ich etwas „mit Links“ mache, so fällt es mir leicht, ist es ohne Anstrengung. Natürlich kann ich mich auch linkisch fühlen, ungeschickt. Das hat oft damit zu tun, dass etwas ungewohnt, unvertraut oder mir unbekannt ist.
Die rechte Hand repräsentiert das Bewusstsein, das, was ich bewusst weiß und kann, das, mit dem ich identifiziert bin, das Bekannte, das Vertraute. Mit der rechten Hand handle ich, führe ich aus, arbeite, ordne, strukturiere etc.. Alles Fähigkeiten, die dem Bewusstsein zuzuordnen sind. Die rechte Hand möchte und kann es „richtig machen“.
Ich nehme es/mich in die Hand, sagt die rechte Hand.
Ich lasse es/mich zu, sagt die linke Hand.

Was wächst nach? Gefühle, Bedürfnisse, Wünsche, Sehnsüchte, die bislang zuwenig Raum bekommen haben, weil die Bedingungen des indivduellen Lebens, durch was auch immer verursacht, diesen Raum nicht zugelassen haben. All das musste aus Gründen, die einmal notwendig und für das Überleben sinnvoll und bestimmend waren, abgeschnitten, unterdrückt, sich selbst versagt werden.
Nun scheint die Zeit reif, dass etwas Anderes nachwachsen, etwas heilen kann. Das verweist auf ein Potential, eine Energie-und Kraftreservoir, das latent vorhanden ist und unter günstigen Umständen aktiv werden kann. Im Grunde geht es um Heilwerden, um die Wiederherstellung von etwas Unganzen zu etwas Ganzem, um Erneuerung und Wiederherstellung. Aus dem Handstumpf wachsen wieder funktionsfähige Finger, die spüren, berühren, anfassen, be-greifen, handeln können.

Geführtes Zeichnen
Nach dem Gespräch über den Traum und die daraus aufkommenden Gefühle und Gedanken wendet sich Iris dem leeren Blatt auf dem Tisch zu, berührt es mit geschlossenen Augen, mit beiden Händen, dann mit Kreidestiften in beiden Händen.
Im Kontakt mit dem Papier hat die linke Hand zum ersten Mal bewusst Gelegenheit zu tasten, zu spüren, sich einzubringen und auszudrücken. Gemeinsam mit der rechten Hand entstehen spontan großzügige schwingende öffnende Bewegungen. Sie entsprechen Iris Sehnsucht, und diese Sehnsucht darf gefühlt und ausgedrückt werden, darf Raum nehmen und sichtbar werden im Hier und Jetzt. Es entsteht eine starke Mittelachse, um die herum sich eine Spiralbewegung von oben nach unten bewegt. Spiralen bewegen sich auch in der linken und rechten Blatthälfte und ergeben zwei Mittelpunkte, die auf den Betrachter wie zwei Augen wirken, die ihn anblicken.

Iris Bild 1Geführtes Zeichnen Dürckeim Rütte
Bild 1
Sehnsucht nach wahrhaftiger Begegnung, Partner, Liebe
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Im zweiten Blatt hat Iris das Empfinden im Wesentlichen in Ordnung zu sein und sich darin annehmen zu können. Ein klares, weiches Gefühl ist in ihr spürbar, die Linien schwingen weit durch den Blattraum, Mitte wird wahrgenommen und als Weg erkannt und eine tiefe Freude steigt in ihr auf.

Iris Bild 2 Geführtes Zeichnen Dürckeim Rütte
Bild 2
Ich bin in Ordnung, empfangend, weich, klar, Mitte ist der Weg, Freude!
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Für Iris ist das ein wunderbares Gefühl! Sie genießt den Ausdruck, den Kontakt mit sich selbst und mit dem Teil in sich, der wieder nachwachsen möchte. Ganz selbstverständlich hat er Ausdruck gefunden und sich eingebracht.

Gruppe Urformen:Arkade
Am Abend ist GZ Gruppe. Wir zeichnen die Urform Arkade. Für Iris ist die Abfolge das 1. Blatt mit beiden Händen, das 2. Blatt mit der linken Hand, das 3. Blatt mit der rechten Hand und das Letzte wieder mit beiden Händen zu zeichnen neu und spannend. Sie erlebt die Unterschiedlichkeit der Hände deutlich.

Iris kommt schnell in Kontakt mit der Urform, sie schwingt sich gern in die Arkade ein, den Bogen zwischen Erde und Himmel, der auf der Erde steht und Erde und Himmel verbindet, bzw. der Himmelsbogen, das Himmelszelt ist. Es ist eine weibliche Gebärde, die Raum gibt und Schutz, darin man sich ausdehnen und ausspannen kann, in sich schwingend, die Weite des Himmels, des Kosmos genauso umfassend wie auch die bergende, begrenzende, tragende Erde, z. B. als Berg, Höhle, Grund.
Beim Zeichnen der 1. Arkade wird Iris ganz warm und in ihr taucht das Bild der Brust auf. Die linke Hand führt Iris in ein leichtes, freies Gefühl, einer Einladung gleich. Im Schwingen von Links nach Rechts assoziert sie einen weiblich-männlichen Seelendialog zwischen Anima und Animus. Ganz anders das Empfinden mit der rechten Hand: Iris spürt wie müde sie ist vom inneren Getrieben sein und möchte im Grunde verweilen, an den beiden Punkten, wo die Linie die Erde berührt, möchte sich abgeben, Last ablegen, kein schwingend leichtes Aufschwingen wie mit der linken Hand. Mit beiden Händen im letzen Blatt empfindet Iris ein Staunen, der Himmel wird weit und fern und ganz nahe kommt sie sich selbst im Dialog von Ich und Du, von weiblich und männlich, ein Stimmung von Erwartung breitet sich in ihr aus.

Iris Arkade 1 Geführtes Zeichnen Dürckeim Rütte
Iris Arkade 2 Geführtes Zeichnen Dürckeim Rütte
Iris Arkade 3 Geführtes Zeichnen Dürckeim Rütte
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Iris Arkade 4 Geführtes Zeichnen Dürckeim Rütte
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2. Stunde
Traumarbeit
In die zweiten Stunde am nächsten Tag bringt Iris einen neuen Traum mit:
Traum 2: Ich sitze in meiner Praxis auf dem Sofa, auf dem sonst meine Klienten Platz nehmen. Mir gegenüber auf meinem Stuhl sitzt eine Klientin, sie erzählt über die schlechte Beziehung zu ihrem Mann und weint, so habe ich sie schon oft erlebt. Ich werde immer müder und habe Mühe nicht einzuschlafen. Das Licht geht es aus, weil das Stromkabel durchgeschnitten ist. Es ist dunkel. Ich bin sehr aufgewühlt, denn das Einschlafen ist mir sehr peinlich. Ich will gehen und merke, dass die Tür abgeschlossen ist

Iris Traum 2 Geführtes Zeichnen Dürckeim Rütte-800
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Was geht da vor sich? Der Traum variiert eine Bewusstseinslage die an ihre Grenzen stößt, eine Situation die für die Träumerin/das Bewusstsein unangenehm ist. Auf dem Klientensofa liegend, wird sie übermannt von Müdigkeit. Es ist dunkel, das Licht geht aus: das Bewusstsein hat keinen Zugriff mehr um die Situation zu gestalten. Iris Traum-Ich ist nicht Herr der Lage:Der Klientin ist in ihrem Leidensstrom nicht zu helfen, das ständige Wiederholen bekannter Inhalte führt in die Müdigkeit, in eine Lageverschiebung der Bewusstseinskräfte von der Vertikale in die Horizontale. Der Schlaf, das Dunkel, das Unbewusste gewinnt Oberwasser und dominiert die Situation. Das Bewusstsein ist mit seinen Fähigkeiten an eine Grenze gekommen, die Energiezufuhr, das Stromkabel, ist abgeschnitten(wie die Finger der linken Hand in Traum 1). Die Träumerin kann der peinlichen Situation nicht entkommen, die Tür ist verschlossen.

In der Realität ist es für Iris das Schlimmste, was passieren kann in einem Klientengespräch einzuschlafen. Ihre bewusste Einstellung ist es dem Klienten Zeit zu geben, nicht zu intervenieren und „durchzuhalten“. Objektstufig wie auch subjektstufig betrachtet illustriert der Traum, wie ermüdend die bewusste Einstellung geworden ist. Im Traum kommt alles zusammen: die Müdigkeit angesichts der endlosen kausalen Wiederholung, das Abgeschnittensein von der Energiezufuhr und das Eingeschlossensein in der Situation.
Von Bedeutung ist auch, dass die Klientin über die leidvolle Beziehung zu ihrem Mann spricht, die nicht weiterzuentwickeln oder aufzulösen ist. Iris erkennnt darin ihr Leiden an und in ihren eigenen Männerbeziehungen, die sie immer wieder als unlebbar in der Spannung zwischen ihrem Bedürfnis nach Nähe und Autonomie erfährt.
Auch die Beziehung zum Animus, dem inneren Männlichen ist leidvoll, setzt er Iris doch ständig in in eine Spannung zwischen den scheinbar von Außen kommenden Erwartungen wie man zu sein hat und den Anforderungen der Individuation, die zu sein,wie sie eigentlich, vom Wesen her gemeint ist.
Am Abend zuvor hatte Iris eine Einladung von Links nach Rechts erfahren, die sich frei und leicht anfühlte, von weiblich zu männlich, und Anima und Animus benannt, die beide als Repräsentanten des Unbewussten aufgefasst werden können. Es handelt sich um weibliche und männliche Aspekte, die miteinander und mit dem Bewusstsein in Dialog treten können, um unbewusste Strukturen, Einstellungen, Meinungen, Verhaltensweisen bewusst werden, und die darin gebunde Energie zu lösen, zu verwandeln und dem Bewusstsein zu kommen zu lassen.

Die unendlichen Wiederholungen der Traumklientin betrifft auch Iris eigenen Umgang mit ihren Kindheitserfahrungen über die sie gut Bescheid weiß und die sie immer wieder in ein kausales Geflecht zueinander setzt. Das Anfangs damit verbundene, erhellende Verstehenkönnen ihres Gewordenseins ist im Lauf der Zeit zu einem unguten Gefühl des Festgelegtseins geworden, einem Ausgeliefertsein an das Schicksal, dem sie nicht entrinnen kann, einem endlosen Kreisen in Kausalitäten. Diese Dynamik ist zu einem Zustand geworden, der nach Ergänzung und Entwicklung, nach einem Sprung, einem Paradigmenwechsel ruft.

Geführtes Zeichnen
Nach der Traumarbeit zeichnet Iris zuerst schwingend in weiten Bögen über das Blatt und wieder sammelt sie sich in der betonten, kräftigen, von einer Spiralbewegung umrankten Mittelachse, die gerahmt wird durch Dreiecksformen. Weiblich schwingende runde sind verbunden mit geraden, gerichteten männlichen Formen. Das Feuer steigt von unten nach oben auf, als Funkenschlagen, Energiequelle, als aufsteigendes, erhellendes, kraftvolles Element, mit dem Gefühl von Wille verbunden.

Iris Bild 3 Geführtes Zeichnen Dürckeim Rütte
Bild 3
Funke, Wille, Feuer, Erkennen-suchen-tasten
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3. Stunde
Traumarbeit
In die dritte Stunde bringt Iris zwei weitere Träume mit, die einen Einblick in die Vorgänge in die männliche wie in weibliche Sphäre werfen.
Traum 3: Ich bin unterwegs mit einem Kollegen, den ich sehr schätze, ein wunderbarer Mann, sehr aufrecht und integer. Plötzlich kommen zwei Männer und töten ihn. Ich bin entsetzt und weine. Dann stehe ich auf einem Berg und unten fährt ein Panzer mit Flaggen, ganz langsam und ruhig, Soldaten im Gleichschritt begleiten ihn.
Traum 4: Ich fahre in die Richtung meiner alten Arbeitsstätte und merke, dass ich da gar nicht hin will. Ich biege nach links ab und fahre kreisend durch das Viertel in dem meine Großmutter mütterlicherseits früher gewohnt hat. Von dort aus fahre ich dann weiter.
Dann gehe ich mit drei Freundinnen einen Weg lang. Wir sind unterwegs zu einer Hochzeit. Die Frau neben mir kenne ich gut, sie ist eine liebe Freundin. Die Freundin links vor mir ist schön angezogen und die Frau neben ihr auch. Sie berühren sich zärtlich und das macht mich ganz neidisch und traurig.

Iris Traum 3 Geführtes Zeichnen Dürckeim Rütte-800
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Im dritten Traum herrscht eine aggressive Atmosphäre. Zwei Männer sind Täter, ein Mann das Opfer. Iris setzt die Szene in einen von vier Säulen umstandenen Ort. Der attackierte Mann liegt, in leuchtendes Gelb gezeichnet, blutend am Boden, die violette weibliche Gestalt beugt sich klagend über ihn. Das Traumich ist zugleich involviert und gleichzeitig schaut es der Szene rosa gezeichnet zu. Auf dem Bild steht das Traumich rechts oben auf der Anhöhe, davor schlängelt sich grün die Straße von oben nach unten. Der Panzer fährt geflaggt mit den hinter ihm schreitenden Soldaten von rechts nach links.
Objektstufig illustriert der Traum die ambivalente Haltung der Träumerin zum Männlichen. Sie kommt gut aus mit Männern auf einer kollegialen Ebene, da ist Austausch und darüber Nähe möglich. In Beziehungen hat sie Männer als aggressiv und unemphatisch erlebt. Körperliche Nähe kann Iris nur bis zu einem gewissen Grad zulassen.
Subjektstufig befinden sich die männlichen Anteile in teils aktiver, teils passiv-aggressiver Handlung in Gestalt der Angreifer und der Soldaten. Die weibliche Seite erleidet den Verlust, bzw. beobachtet den Vorgang. Der Getötete entspricht dem Idealmann der Träumerin, die Angreifer repäsentieren affektive aggressive Anteile. Die Soldaten repräsentieren ebenfalls ein männliches Prinzip, sie unterstehen dem Vater Staat, sind sowohl zum kriegerischen Angriff als auch zur Verteidigung staatlicher Autonomie einsetzbar.

Die männliche Seite marschiert im Gleichschritt, repräsentiert, zeigt Flagge, eingebunden in ein dominantes männlich-väterliches Regime, das Selbstverwirklichung nicht kennnt, nur Dienen in der Familie und dem Kollektiv, eingebunden in die bestehenden Werte der Gesellschaft.
Im Beruf ist Iris erst nach Jahren der Selbstaufopferung aktiv geworden und konnte schließlich ihre Berufung finden, entwickeln und verwirklichen. Im Privatleben hat sie es sich bislang versagt ihre Bedürfnisse zu wahren und auszudrücken. Ihr Beziehungsideal kann sie bislang nicht verwirklichen. So spiegelt der Traum subjektstufig wie objektstufig das Verhältnis der Träumerin zum Männlichen in verschiedenen Varianten.

Iris Traum 4 Geführtes Zeichnen Dürckeim Rütte
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Der vierte Traum thematisiert Beziehungen im weiblichen Raum. Gewohnheitsmäßig ist Iris im Traum Richtung alter Arbeitsstätte unterwegs, bis ihr bewusst wird, dass sie da gar nicht mehr hin will. Sie biegt nach links, in die weibliche Sphäre ab. Dort liegt das Haus und der Garten der Großmutter mütterlicherseits, in dem sie als Kind oft war. Dort fühlte sie sich geliebt und angenommen, es war ruhig, ganz anders als im Elternhaus. Der Traum ruft eine Erinnerung an einen guten weiblichen Raum hervor, an eine Kraftquelle in Iris Leben. Im Bild ist auch die Tante zu finden, die fünf Kinder hat, mit denen sie es nicht leicht hatte. Das sei ihr erspart geblieben, meint Iris, bedauernd, da sich für sie keine eigene Familie ergeben hat.
Das Traumich fährt weiter, von links nach rechts, nach diesem erquickenden Umkreisen und Erinnerns des guten weiblichen Raums, und gelangt in eine neue Situation: vier Frauen auf dem Weg zu einer Hochzeit. Die Frau neben ihrem Traumich kennt Iris gut, eine liebe vertraute Freundin von ausgeglichenem, ruhigem Wesen. Die Frau links vor ihr ist eine sehr dynamische Freundin, die Frau in gelb kennt Iris nicht. Etwas neidisch registriert das Traumich die vertraute Berührung der Beiden vor ihr.
Wir können davon ausgehen, dass alle vier Frauen verschiedene Anteile von Iris repräsentieren. Im Bild ist das wunderbar ausgedrückt durch die Kleidung der Frauen und die Farben die Iris dafür gewählt hat. Die vier Temperamente – melancholisch, phlegmatisch, cholerisch und sanguinisch - sind dargestellt, auf einem gemeinsamen Weg, und die Anziehung und Spannung, die sich zwischen ihnen ergeben können. Die vier Frauen symbolisieren die sich ergänzenden eigenen Teile von Iris, die zusammen die Gesamtpersönlichkeit repräsentieren.
Und sie alle sind auf dem Weg zu einer Hochzeit. Wer heiratet wird nicht benannt, eine Hochzeit assoziieren wir mit der Verbindung von Zweien, von Mann und Frau zu etwas Dritten, einem neuen Ganzen.
Das eine Hochzeit gefeiert wird ist ein Grund zur Freude, symbolisiert es doch in prägnanter Weise die Hochzeit der gegensätzlichen, in einer Grundspannung zueinander stehender gegnsätzlicher und zugleich sich ergänzender Teile, z.B. von Männlich und Weiblich, Rechts und Links, Bewusstem und Unbewusstem, wie auch der Teile innerhalb der Gesamtpersönlichkeit.

Die Traumserie ist zu einem guten Abschluss gekommen innerhalb der Zeit in Rütte. In den vier Träumen wurden Iris wesentliche Themen ausgedrückt und konnten über Erinnern, Aufschreiben, Malen und Erzählen bewusst gemacht, aus neuen Perspektiven betrachtet und verstanden werden. Das Motiv des Abgeschnittenseins führte in ein Nachwachsen und Nachreifen lassen von unterentwickelten Seelenanteilen. Das alchemistische Prinzip des solve et coagula, des „Trenne und Verbinde im stetigen Wechsel“, wurde im Traumprozess variiert, beginnend mit dem ersten Traum, mündend in die Hochzeit der Teile im vierten Traum.
Iris hat von ihren Träumen lernen können Seiten und Anteile von sich zu erkennen und näher kennenzulernen, die ihr unbewusst oder auch bewusst, fremd oder bekannt, unvertraut oder vertraut waren.
Die Traumarbeit ergänzte die Arbeit mit dem GZ und der Leibarbeit auf schöpferische Weise. Beim selbstständigen Malen der Träume in der Werkstatt, zu der ich Iris aufgefordert hatte, konnte Iris gut mit sich selbst in stimmiger Berührung und Zuwendung sein.

Geführtes Zeichnen
Im GZ entstehen zwei Zeichnungen, in denen die neu gewonnene Qualität sichtbar wird.

Iris GZ Bild 4 Geführtes Zeichnen Dürckeim Rütte
Iris GZ Bild 5 Geführtes Zeichnen Dürckeim Rütte
Bild 4
Verbunden, ich bin ganz, Anker, Boot, heil, weiblicher Raum in mir


Bild 5
Seelenmelodie, zentriert, das ist meins
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Wieder gibt es eine starke Mittelachse, um die sich Spiralbewegungen auf und ab schlängeln. Nun wird die Achse durch eine große Bodenschale ergänzt, was im Anschauen zum Boot und zugleich zum Anker wird. Das Boot ist Symbol des Getragenseins auf den Wellen des großen Lebenswassers, geborgen und geschützt - der Anker haft auf Erden, da ist das Schiff an Land....- die Mittelachse ist verankert zwischen Erde und Himmel, im Aus-und Aufgerichtet sein auf eine neues inneres Ordnungsgefühl.
Eingewoben ist alles in Zwiebelformen, die Schicht für Schicht das ganze Blatt einnehmen. Das Gefühl verbunden zu sein mit sich selbst und der Welt, die sie umgibt und dem Ganzen des Lebens selbst, ist für Iris wunderbar. Sie erlebt es zwischen Oben und Unten und Links und Rechts, Innen und Außen. Sich als heil und ganz zu erleben ist für Iris beglückend. In sich erlebt sie ihren eigenen weiblichen Raum, spürbar und berühbar im eigenen Leib.


In der letzen Zeichnung fühlt sich Iris ganz frei im Bezug zu sich selbst. Man kann es an der Strichführung und am Zusammenspiel der Linien sehen: da ist jemand ganz bei sich, hört seine ureigene Seelenmelodie und schwingt in ihr um seine Mitte, ganz im Eigenen. Runde und gerade Linien, weibliche und männliche Gebärden, zb. Kreis und Dreieck, sind ineinandergesetzt, ergänzen sich.

Auch im Geführten Zeichnen ist sich Iris näher gekommen, hat ergänzend Neues zum Ausdruck und in die Wahrnehmung bringen können. Es ist in ihr ein Bewusstsein für das, was sie im Grunde ausmacht erfahrbar geworden, für eine ihr immanente Ordnung. Sie ist sich transparent geworden in Gebärden und Formen, die ihre bisher gewusste bewusste Einstellung erweitern, vertiefen und ergänzen. Sie ist sich ihrer selbst in einer wesentlichen, existentiellen Prägung ergänzend zu den kausalen, biographischen Fakten bewusst geworden, hat sich darin kennengelernt und erlebt. Auf diese Weise ist tatsächlich eine neue Qualität in ihr nachgewachsen, von der sie bisher abgeschnitten war. Sie wusste zwar darum, konnte sich diese Qualität aber nicht konkret erschließen. Sie nimmt aus der Erfahrung mit, dass sie in
sich heil und ganz ist, in Ordnung, d. h. in ihrer ureigenen Ordnung ist.

Die Erfahrungen mit Traumarbeit und Geführtem Zeichnen ergänzten die parallel laufende Leibarbeit für Iris ideal. Sie eröffnen ihr den Zugang zu einem Raum, den sie jederzeit selbstständig betreten, in dem sie weitere Erfahrungen mit sich und ihrem Potential machen kann. Iris geht voller Freude und dankbar über das Entdeckte, Wahrgenommene, ins Bewusstsein Gehobene ihren Weg zu sich selbst selbstständig und tätig weiter, erwartungsvoll dem zugewandt, was noch ans Licht gebracht, entwickelt werden und reifen möchte.


Monika Pfäfflin, Todtmoos-Rütte, im September 2019

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